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Eine „Blau“- weiße Geschichte

 

Internetbekanntschaften sind so eine Sache. Nicht selten entpuppt sich der erhoffte Prinz als Frosch. Doch auf Brautschau war ich diesmal nicht. Ich bin seit 20 Jahren glücklich verheiratet. Vielmehr wollte ich Kasimir (Kazek) Czyz aus Schwetzingen meine Lieblingsstrecke der Blau bei Arnegg zeigen und ihn dabei, nach fast zweijähriger Internet-Bekanntschaft, persönlich kennen lernen. Kazek kam pünktlich, die raren Tagesscheine lagen bei Herrn Förg in Ulm bereit. Ein erster Blick von der Brücke; das Wasser des Kreideflusses war leicht angetrübt also optimal. Es konnte losgehen. Sechs Jahre war ich am Fuße der Schwäbischen Alb nicht da, doch fühlte ich mich immer noch zuhause. Einem Fremden eigene Lieblingsstrecke vorzustellen ist eine heikleCK - FLYFISHING Sache. Was ist wenn es in die Hose geht? Unsere Erwartungen, verstärkt durch den langen Winter, waren hoch. Ich schlug vor, den oberen Streckenbeginn zuerst zu erkunden. Hier hat die Blau etwas 100 Meter Bergcharakter. Kasimir war begeistert, knüpfte  einen großen weißen Streamer an das Ende seines „Intermediate“- Vorfachs. Der Erfolg kam prompt, zuerst eine gute Dreissigerin dann eine  zweite Bachforelle von fast 50 cm nahm den deftigen Happen. Auf meinen schwarzen Wooly Bugger dagegen nichts. Kazek, großzügig wie er ist, bot mir zwei seiner Wunderwerke an. Die auf Haken Nr. 2 gebundene, üppige Streamer erschienen mir auf Forellen überdimensioniert. Die Farbe weiß, mit goldner Schwinge, war für mich ungewohnt. Während ich die „Weiße Dame“ noch prüfte drille Kasimir die dritte Bachforelle, eine wunderschönes Männchen mit herrlicher Kufe, gut 50 cm lang. Jetzt musste ich ran. Wie ein Schlossgeist schwebte der Streamer Richtung der bekannten Rinne. Erst nach einigen Zupfern tauchte er unter und begann zu spielen. Dicht unter der Oberfläche, da sollte er nicht hin. Die Ersatzspule mit einem schnell sinkenden Schusskopf war schnell montiert. Die schwere Schnur zog den Streamern in die Tiefe, nichts kam. Währenddessen drillte Kasimir die vierte Forelle. „Stellen wir heute einen Rekord auf?“ rief er mir euphorisch zu. Womit, ich war immer noch bei Null? Im folgenden,  tiefen und ruhigen Abschnitt, typisch für die Blau, wechselte ich wieder zu schwarzen Wooly Bugger. Der Biss kam wie ein Hammer. Bitte, es geht doch. Leider war es eine kurze Begegnung. So blieb es auch noch die nächste Stunde. Die große, tiefe Kurve kam und damit das Ende der Strecke in Sicht. Es war schon 14.00 Uhr und der Magen meldete sich. Ich legte mich ins Gras. Der Hunger wurde mit Resten der Schokolade betäubt. Kurze Pause um Kräfte für die anstrengenden, weiten Würfe zu schöpfen. Die Blau ist bis zu 20 Meter breit. So leicht gebe ich nicht auf! Ich hatte nichts zu verlieren und hängte Kazek´s Streamer in den Mustad-Clip am Vorfachende. Die Fliege landete gezielt vor dem anderen Ufer. Jetzt nur ruhig absinken lassen und einstrippen. Der Biss kam prompt, die feiste Regenbognerin sprang in die Luft. Ruhig Blut, die 0,25-er Fluocarbon-Spitze versprach Sicherheit. Endlich, die Forelle war im Kescher. So komme ich nicht Schneider zur Schwiegermutter zurück. Die zweite Forelle ließ nicht lange auf sich warten, auch Kasimir drillte eine. Was war auf einmal los? Wieder platzierte ich den Steamer unter die überhängenden Äste. Ein riskantes Manöver, hatte ich doch nur zwei Stück der fängigen Streamer dabei. Ein „Rums!“ in der Tiefe, der Fisch kämpfte zäh aber ohne Sprünge. Eine Bilderbuch-Bachforelle landete im Kescher. Mit 55 cm die grüßte meiner Laufbahn. Was danach kam, war fast schon langweilig. Wir drillten Fisch auf Fisch. Ist die Blau ein Forellen-Puff? Mitnichten, die anwesenden einheimischen Fliegenfischer begnügten sich mit der Zuschauer-Rolle. An der übersichtlichen Blau kein Vergnügen. Einige zogen sich deshalb nach einer Weile dezent zurück, andere beklagten sich über fehlende Bisse. Was war die Ursache für unseren Erfolg? Zuerst die schnell sinkenden Schnüre die, die noch tief stehenden Fische erreichten. Und entscheidend das unschlagbare Muster von Kazek. Wir haben auch andere ausprobiert. Die Einheimischen, meist Jahresscheininhaber da für die Blau-Strecke nur drei Gastscheine pro Tag ausgegebenen werden, fischten Schwimmschnüre (mit Sink Tipp) und die dort populären Streamer und Nymphen in Schwarz-Grün.

Meine „Weiße Dame“ war von den vielen Drills arg mitgenommen. Nach jeder Fischlandung musste ich sie waschen und trimmen. Kaum im Wasser lockte sie den nächsten Fisch an. Zum Schluss landete sie hoch auf der Weide unterhalb der Brücke. Es reichte, 14 Forellen konnte ich landen, bei Kazek waren es mehr.

In unserem Quartier in Wipping machten wir noch einen zünftigen Bindeabend. Zum Schluss überzeugte ich Kasimir noch einige seiner Streamer für den nächsten Tag zu binden. Natürlich beobachte ich wo draus und wie er sie band. Das wollt ihr wissen? Nein, es bleibt Kazeks Geheimnis.

Am zweiten Tag haben wir natürlich auch Forellen gefangen. Es sind noch welche im Fluss geblieben, die mit unseren Streamern keine Bekanntschaft machten. Einige wollten es noch einmal wissen. Eine große Bachforelle ging mir im Drill verloren, schade. Ich hatte sie bereits am Vortag ausgemacht.

Alles im allen eine interessante Erfahrung. Noch nie habe ich durchgehend mit schnell sinkendem Schusskopf und mit so großen, weißen Streamern gefischt. Auch noch nie so viele große Forellen in Reihe gefangen.

Die nächste Tour mit Kasimir ist schon in Planung.

 

Dr. Georg Moskwa

Kleinmachnow im April 2010

 

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